Unsere nächste Veranstaltung – Senthuran Varatharajah

af_varatharajah_senthuran__150Workshop mit Senthuran Varatharajah, dem Förderpreisträger des Bremer Literaturpreises 2017

Freitag, 20. Januar 2017, 10.00 – 13.00 Uhr: Workshop in der Zentralbibliothek im Wall-Saal mit der Oberschule Findorff.

Dienstag , 24. Januar 2017, 11.00 Uhr: exklusive Lesung für geladene Oberstufenschüler in der ÖVB – Öffentliche Versicherung Bremen – in der Martinistraße 30

Die Teilnahme für beide Veranstaltungen ist kostenlos! Anmeldung unter: redaktion@workshop-literatur.de

Den Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2017 erhält Senthuran Varatharajah für seinen im S. Fischer Verlag erschienenen Debüt-Roman „Vor der Zunahme der Zeichen“. Der Förderpreis wird seit 2005 von der ÖVB – Öffentliche Versicherung Bremen finanziert.

Die Preisverleihung des 63. Bremer Literaturpreises findet am Montag, 23. Januar 2017 in der Oberen Halle des Bremer Rathauses statt.

Senthuran Varatharajah – Porträt

af_varatharajah_senthuran__150Senthuran Varatharajah, geboren 1984 in Sri Lanka, studierte Philosophie, Evangelische Theologie und Kulturwissenschaft in Marburg, Berlin und London und promovierte an der Humboldt-Universität zu Berlin über „Das Fremde in der Klassischen Deutschen Philosophie“. 2014 nahm er – ohne zuvor etwas veröffentlicht zu haben – an den 38. Tagen der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt teil und erhielt den 3Sat-Preis. Senthuran Varatharajah lebt in Berlin und war auf seinem Weg zum Schriftsteller unter anderem Stipendiat der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen, erhielt das Alfred-Döblin-Stipendium der Berliner Akademie der Künste und war Teilnehmer der Autorenwerkstatt Prosa 2014 des Literarischen Colloquiums Berlin. Momentan habilitiert er in der Philosophie, ein langgehegter Kindheitstraum.

Schon vor seinem Debütroman galt der Berliner Autor Senthuran Varatharajah als großes Talent. Nun hat er seinen ersten Roman „Vor der Zunahme der Zeichen“ veröffentlicht. Darin setzt er großen Wert auf das Schreiben gegen rassistische Klischees und reflektiert von Flucht, Migration und vom Ankommen in Asylbewerberheimen am Rand der deutschen Gesellschaft. Varatharajah kann auch aus eigener Erfahrung sprechen: Bereits kurz nach seiner Geburt 1984 in Jaffna auf Sri Lanka floh seine Familie vor dem Bürgerkrieg nach Deutschland. Bis zu seinem sechsten Lebensjahr war die Familie in Oberfranken in einem Asylbewerberheim untergebracht. Schon während seines Aufwachsens und Erwachsenwerdens begegnet Varatharajah laut eigener Aussage immer wieder offenem Rassismus und unterschwelligen Vorbehalten, wie er es auch in seinem Roman zum Thema macht. Die Gesellschaft müsse sich an die neuen Gegebenheiten anpassen und nicht von einem Menschen wie ihm, mit dunkler Hautfarbe, automatisch erwarten, dass er die deutsche Sprache nicht beherrsche, so Varatharajah in einem Interview mit Katja Weise von NDRKultur. Er habe die deutsche Sprache mit Hilfe der Bibel und des Fernsehens gelernt, später haben ihn die großen Philosophen fasziniert und weitergebracht. Weiterlesen

Senthuran Varatharajah: Vor der Zunahme der Zeichen

senthuran-varatharajah_cover_150Flüchtige Augenblicke

Senthil und Valmira könnten sich vielleicht kennen, dies zumindest teilt ihnen Facebook beim nächtlichen Internetgang mit. Beide haben in Marburg studiert, während Valmira immer noch dort lebt, ist Senthil nun in Berlin Doktorand. Aneinander annähernd tauschen sie Fotos und Namen von Orten, Freunden oder vermeintlichen Begegnungspunkten aus. Obwohl sie recht schnell feststellen „Wir sind uns also nie begegnet. wir hätten uns nie begegnet sein können“ (27), beenden die beiden ihre Online-Unterhaltung nicht. Doch es entwickelt sich kein Flirt oder ein Frage-Antwort-Spiel des oberflächlichen Kennenlernens. Die digitalen Briefeschreiber reihen assoziativ verschiedene Episoden ihrer jeweiligen Vergangenheit aneinander. Auf eine Erinnerung antwortet der/die andere nicht direkt, sondern reagiert fast monologisch mit einem eigenen, oft ähnlichen Erlebnis. Verbunden sind diese eher sperrig zu lesenden Textstücke durch ihren Inhalt, der sich zunehmend stärker mit Rückblicken auf ihre Herkunft aus unterschiedlichen Ländern und ihre Ankunft in Deutschland beschäftigt. Bruchstückhaft und nicht chronologisch fallen den Schreibenden immer mehr Details und Erinnerungen ein: „vielleicht fallen uns diese Dinge nicht ein, sondern wir in sie, von links nach rechts, von oben nach unten.“ (80)

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Unsere letzte Veranstaltung – Martin Glaz Serup

martin_glaz_serup_andreas_kjaergaard2Workshop mit Martin Glaz Serup bei poetry on the road 2016

Freitag, 27. Mai 2016, 10.00 Uhr – 13.00 Uhr:
Workshop im Wall-Saal der Zentralbibliothek mit einem
Leistungskurs Deutsch des Kippenberg Gymnasiums Thank you to Martin Glaz Serup, we hope to see you again in Bremen!
(Foto: Andreas Kjaergaard)

(Die Teilnahme war kostenlos, wie immer!)

weitere Informationen auch unter www.poetry-on-the-road.com

Martin Glaz Serup – Porträt

Martin Glaz Serup Thomas Trane Petersen Det Kongelige Bibliotek

Der aus Kopenhagen stammende Poet (* 1978) hat sich in der Lyrikszene vor allem durch seine acht Gedichtbände etabliert, seine Gedichte wurden zuvor in zahlreichen Lyrikzeitschriften abgedruckt. Martin Glaz Serup gehört zu den ausgewiesenen Begabungen der jungen dänischen Dichterszene und wurde bereits mit vielen Preisen ausgezeichnet. Wie kaum ein anderer seiner Generation realisiert er das Abenteuer des Sehens in seinen Gedichten. Serup veröffentlichte bisher acht Kinderbücher und ebenso viele Lyrikbände, er debütierte als Lyriker mit dem Langgedicht ›Marken‹ (2010) und erhielt von allen Seiten höchstes Kritikerlob. Die lyrische Sprache begreift der dänische Dichter als Bewegung, als lose Form fließender Zeichen, stets auf der Suche nach dem eigenen Ursprung. Seine Sprache berührt etwas Ewiges, eigentümlich Vertrautes, aber nie ganz Fassbares. Für seine Dissertation über Relational Poetry erhielt er eine Goldmedaille der Universität Kopenhagen. Martin Glaz Serup wurde ins Schwedische, Finnische, Englische und Deutsche übersetzt. An der Universität Kopenhagen und diversen anderen dänischen Universitäten und Privatakademien unterrichtet er Kreatives Schreiben. Darüber hinaus tritt der junge Autor auch als Herausgeber verschiedener Literaturzeitschriften sowie Online Lyrikmagazine auf und betreibt einen Blog über Gegenwartslyrik.

(Stephanie Schaefers)

 

 (Foto: Thomas Traene Petersen)

 

 

Martin Glaz Serup: Workshop

glaz serup 125 1Workshop mit Martin Glaz Serup im Wall-Saal der Zentralbibliothek am 27.05 2016

Nachdem Dr. Stephanie Schaefers, die Projektleiterin von workshop literatur bremen, die zwanzig Schülerinnen und Schüler des Deutsch Leistungskurses des Kippenberg Gymnasiums begrüßt hat, stellt der dänische Autor Martin Glaz Serup sich und sein Langgedicht „Das Feld“ vor. Schnell wird klar, dass es bei diesem Workshop einen Unterschied zu den bisherigen Veranstaltungen geben wird: Der Lyriker aus Kopenhagen führt den Workshop auf Englisch durch, zur Einführung in das Gedicht „Marken“ (Das Feld), wählt er sogar seine Muttersprache Dänisch. Um ein Gefühl für den Rhythmus der dänischen Lyrik zu bekommen, trägt Martin Glaz Serup einige Stellen aus dem Originaltext vor. Um den Inhalt nachvollziehen zu können, lesen die Schüler jeweils die deutsche Übersetzung nacheinander vor.

Zum Einstieg in die darauf folgende Schreibaufgabe werden Gedanken über „Das Feld“ ausgetauscht und interpretiert, zuerst etwas schleppend, auch aufgrund der Sprachbarriere, aber mit Hilfe der Dolmetscherin Carol Wengler entwickelt sich bald eine rege Diskussion.

In einer halbstündigen Arbeitsphase sollen die Schüler sich ein Konzept für ein eigenes Buch überlegen und erste Zeilen dazu verfassen. Das Thema soll angelehnt an „Das Feld“ sein, also ein abstrakter, gar gefühlloser Begriff oder Gegenstand. Diesem sollen, wie eben einem Feld, eigene Gedanken und Gefühle eingeschrieben werden.

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Martin Glaz Serup: Interview

glaz serup interviewMartin, how did you start with your writing? Since when did you write poems (right from the beginning)?

I started writing long before I started writing – in the sense that before you can write you have to read, I believe, and I was an eager reader almost as long as I can remember. I probably wrote my first horror and science fiction short-stories when I was about … 12-13 or something… I was very inspired by Stephen King and the Danish ‚horror master‘ Dennis Jürgensen. Poetry I found on the local, very good library and read and read, without understanding much in the beginning, but somehow it seemed important to me, enticing, so I continued to read one volume after another. I probably started to write poetry more seriously myself when I was around… 15-16 or something… And even more serious when I was a conscript in the army, around 19, and didn’t have much time for writing; the poems, I could work on in my head when I was busy doing other things – marching or digging trenches out of the dirt for instance.

What is more difficult/fun, to write books for children or to write poems?

Both is terribly difficult, most of the time, and terribly fun, some of the time.

If you are participating at a festival like poetry on the road and you are listing to many other poets, how is that influencing your poems or writing in terms of content, style, formal rules?

I’m always looking for literature worth experiencing; an ambitious international poetry festival like the one in Bremen is a great opportunity to encounter great poets and poetry that I didn’t know already, which is always a gift. How that may influence my own work is totally unpredictable.

Thank you for your answers.

(Das Interview führte Stephanie Schaefers am 08.06.2016 per Email)

Unsere letzte Veranstaltung – Matthias Nawrat

Workshop mit Matthias Nawrat, dem Förderpreisträger des Bremer Literaturpreises 2016

22. Januar 2016, 10.00 – 13.00 Uhr: Workshop im Wall-Saal der Stadtbibliothek mit einem Deutschkurs der E-Phase der Gesamtschule Bremen-Ost

26. Januar 2016, 11.00 Uhr: exklusive Lesung für Schüler in der ÖVB (Martinistraße 30)

 

AF Nawrat Matthias 150Wir danken dem Autor für den intensiven Workshop, die humorvolle Lesung sowie die vielseitige und umfangreiche Diskussion mit den Schülern!

 

 

 

 

 

Matthias Nawrat, 1979 im polnischen Opole geboren, siedelte als Zehnjähriger mit seiner Familie nach Bamberg um. Er studierte u.a. am Schweizer Literaturinstitut in Biel. Er veröffentlichte bereits die vielbeachteten Romane „Wir zwei allein“ (2012) sowie „Unternehmer“ (2014). Matthias Nawrat lebt in Berlin.

Am 25. Januar 2016 erhält Matthias Nawrat den mit 6.000 Euro dotierten Förderpreis zum Bremer Literaturpreis 2016 für sein im Rowohlt Verlag erschienenes Buch „Die vielen Tode unseres Opas Jurek“. Der Förderpreis wird seit 2005 von der ÖVB – Öffentliche Versicherung Bremen finanziert. Die Jury begründet die Vergabe: „Den mit 6.000 Euro dotierten Förderpreis erhält Matthias Nawrat, der in seinem Roman „Die vielen Todes unseres Opas Jurek“ ein deutsch-polnisches Geschichtspanorama entwirft. Die Schrecken der Vergangenheit werden in einer leichtfüßigen, absurd-komödiantischen Erzählweise vergegenwärtigt, die alle Legenden und Lebenslügen entlarvt.“

 

Matthias Nawrat: Workshop

nawrat matthias workshop 1Workshop mit Matthias Nawrat im Wall-Saal der Stadtbibliothek am 22.01.2016

10.00 Uhr, bei minus acht Grad und malerisch vereisten Bäumen in den Wallanlagen, sitzen die 25 Schüler des Deutsch-Kurses der E-Phase der Gesamtschule Ost ungewöhnlich eng und fröstelnd, doch sehr gut gelaunt und aufmerksam zusammen. Der heutige Workshop kann beginnen. Nachdem Dr. Stephanie Schaefers, Projektleiterin von workshop literatur bremen, die Anwesenden begrüßt, und über die Arbeit von workshop literatur bremen sowie die Bedeutung der Literarischen Woche und deren Thema ‚Jugend‘ für die Schüler berichtet hat, reicht sie das Wort an Matthias Nawrat weiter, den diesjährigen Förderpreisträger des Bremer Literaturpreises. Der Autor fordert die Schüler in einer ersten Runde auf, sich mit Namen, Alter und dem zuletzt gelesenen Buch vorzustellen. Die Oberschüler geben bereitwillig Auskunft und zeigen viele Übereinstimmungen in ihrer favorisierten Literatur, die oftmals im Bereich Fantasy und Thriller angesiedelt ist. Danach diskutiert Matthias Nawrat mit den interessierten Teilnehmern über die Unterschiede zwischen Prosa und Lyrik. Einheitlicher Konsens besteht recht schnell darin, dass erzählende Texte ihre Handlungen und Charaktere allein durch den größeren Umfang eindringlicher und ausführlicher entwickeln können. Während lyrische Texte Momentaufnahmen und Emotionen besser darstellen, eine kunstvollere Sprache einsetzen und eventuell auch mehr über das schreibende Ich preisgeben.

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Workshopergebnisse aus dem Workshop mit Matthias Nawrat am 22.01.2016

Schreibaufgabe 1: Schreibe einen Text über dich selbst, der maximal zwölf Zeilen umfasst und in dem jedes verwendete Wort nur aus einer Silbe bestehen darf.

 

Ich bin ein Kind,

mit Traum.

Die Welt zeigt mir, wer ich sein soll,

und ich bin falsch für die Welt,

doch gut für mich.

Ich bin ich

und nicht du

nicht ihr.

Wenn nur wir!

(Gerome Garbrecht)

 

Ich bin ein Mensch,

der dies tut und das tut.

Ein Mensch, der lebt, lacht und weint.

Ich bin jung, noch nicht alt, noch nicht tot.

Ich hab noch Zeit auf der Welt.

(Anonym)

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